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Ausflügeln

Carola Czempik | Betina Kuntzsch | Marianne Stoll

Eröffnung mit Künstlerinnengespräch am 7. Mai um 15:00h
Ausstellung vom 7. Mai – 19. Juni 2016
Samstag 28. Mai um 16 Uhr Führung durch die Ausstellung - Die Künstlerinnen sind anwesend.
Finissage am 19. Juni ab 15 Uhr mit Saxophonperformance von Joachim Gies um 16 Uhr.
Der Saxophonist und Komponist Joachim Gies, geb. 1956 in Bonn, studierte in Berlin Musik, Literatur- und Politikwissenschaft. Mit seinem Saxophonspiel erschließt er differenzierte Klangstrukturen: zart, farbenreich, fragil. Auf seinem experimentellen Weg zum Horchen und Lauschen begegnen den Hörern überraschende Klangschichtungen.

Öffnungszeiten:
FR und SA 13:00 - 20:00 Uhr
SO 11:00 - 19:00 Uhr, am 8. Mai von 12:00 - 20:00 Uhr


Die Künstlerinnen begegnen sich seit vielen Jahren in Ausstellungen und Kunstprojekten. In Perwenitz treffen sie das erste Mal als Trio aufeinander und führen einen interdisziplinären Dialog. Ausgangspunkt der Arbeiten sind biografische Aspekte, gesellschaftliche Prozesse und historische Ereignisse, die die Künstlerinnen in einer prozessorientierten Arbeitsweise abstrahieren. Diese entwickelt sich in unterschiedlichen Medien durch materielle und immaterielle Transparenzen und Schichtungen ungewöhnlicher Stoffe.

Die Bilder von Carola Czempik entstehen in einem Prozess umgekehrter Archäologie. Der systematische Aufbau materieller Strukturen ist für die Erforschung verborgener Inhalte innerhalb der jeweiligen Themenreihen von zentraler Bedeutung. Dazu löst sie Gesteinsmehle, wie z.B. Basalt, Granit, Quarz, Schiefer und Alabaster in Wasser und speziellen Bindemitteln und schichtet diese in dünnflüssigen Lasuren im Wechsel mit feinen Aufträgen aus Pigmenten, Wachssalbe, Kohle, Grafit und Salz auf Leinwand und Papier. Durch die Interaktion von Verflüssigungen und Verfestigungen entwickelt sich ein rhythmischer Prozess. Neue molekulare Verbindungen werden so aufgebaut und das Material seiner Herkunft entfremdet.

In den Arbeiten von Betina Kuntzsch geht es um Bewegung und Spuren von Bewegung, wie sie sichtbar sind in Video und Film und wie sie sich ins Materielle, ins Standbild oder Grafik übersetzen lassen. Dafür nutzt sie sowohl dokumentarische Bilder und Found Footage wie auch eigene Animationen. Spuren von Bewegung interessieren formal - sozusagen als sichtbarer Materialwiderstand des Mediums Video (Bewegungslinien und -unschärfen, Videopixel, Filmschmutz). Spuren von Bewegung interessieren inhaltlich - wie sie z.B. aus Biografien und historischen oder sozialen Prozessen entstehen. Die Videoarbeiten von Betina Kuntzsch sind Materialcollagen und animierte Konstruktionen. Sie untersuchen Video und Film als Material und bewegen sich jenseits von Inszenierung und Performance.

Marianne Stoll wählt in ihren Arbeiten Materialien, die vordergründig Sichtbares irritieren, in eine geheimnisvolle Zwischenwelt transformieren. Die Arbeit in Schichten, Transparenzen, Verschiebungen lassen das ursprüngliche Sujet ahnen, aber es ist nicht eindeutig. „Luftschlösser“ sind Papierobjekte aus transparentem Drachenpapier, architektonische Gebilde, luftig schwebend, fast „immateriell“. Wachs verleiht festen Objekten eine amorphe diffuse Form, mehrere farbige durchscheinende Schichten schimmernde Samtheit. In den Collagen, „Portraits“, nähert sich die Künstlerin in fortwährendem Zerschneiden und neu Zusammenbauen, überlagern verschiedener Papiere und Folien, Mischen von gefundenen Bildelementen mit eigenen Zeichnungen einem fremdartigen und doch bekannten Gesicht.


weitere Informationen unter:
Carola Czempik www.carolaczempik.de
Betina Kuntzsch www.element-video.de
Marianne Stoll www.marianne-stoll.de